Kulturelle Vielfalt feiern, Raum für Begegnung schaffen
Internationale Studierende stehen in Magdeburg vor besonderen Herausforderungen – von Wohnungssuche und Arbeitsmarkt bis zum Erwerb der deutschen Sprache. Im Interview erläutert Franziska Kaiser, wie das Studentenwerk durch Beratung, Austauschformate wie das Sprachcafé und Veranstaltungen wie das Fest der Kulturen Integration unterstützt und interkulturelle Begegnung fördert.

Begegnung schaffen, Verständigung fördern
Im Gespräch mit Franziska Kaiser, Koordinatorin für Internationales
Frau Kaiser, die vergangenen zwei Jahre standen unter dem Motto „Internationalisierung“. Sie haben im Dezember 2023 Ihre Arbeit als Koordinatorin für Internationales im Studentenwerk Magdeburg aufgenommen. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der internationalen Studierenden ein?
Die Studierenden haben es schwer. Auf dem Wohnungsmarkt, auf Jobsuche und beim Erlernen der deutschen Sprache. Das ist aber leider ein strukturelles Problem. Wir versuchen natürlich, in unseren Sprechstunden zu beraten und Mut zu machen, dass die Studierenden damit nicht allein sind, können aber leider oft nicht helfen und das ist sehr unbefriedigend. Die Sprachkenntnisse sind essentiell für eine gelungene Integration auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, aber es gibt einfach zu wenig niedrigschwellige Angebote. Sprachkurse an der Universität sind immer schnell ausgebucht und private Anbieter zu teuer.

Wie gehen Sie damit konkret in Beratungssituationen um?
Wir verweisen zum Beispiel auf Online-Kurse oder Angebote an der Volkshochschule, auch wenn die Situation dort nicht besser ist. Alternativ empfehlen wir die Nutzung von Sprachlern-Apps. In Zukunft wäre aber auch eine Zusammenarbeit mit der Universität denkbar und sinnvoll. Dort gibt es ja durchaus Studierende, die daran interessiert sind, erste Lehrerfahrungen zu sammeln, oder aber im Rahmen des Erwerbs des DaF/DaZ-Zertifikats Praxisanteile absolvieren müssen.
Grundsätzlich raten wir den Studierenden immer, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, die in derselben Situation sind oder waren und vielleicht den ein oder anderen hilfreichen Tipp geben können.
Inwiefern initiiert das Studentenwerk denn einen solchen Austausch?
In den vergangenen Jahren haben wir viele Formate erarbeitet, die es den Studierenden ermöglichen sollen, unkompliziert und zwanglos ins Gespräch zu kommen, Hemmschwellen abzubauen und neue Kontakte zu knüpfen. Dazu zählt beispielsweise unser Sprachcafé, das von zwei IKUS-Studierenden geleitet wird. Hier haben die Teilnehmenden unter anderem die Möglichkeit, sich in ihrer Muttersprache zu unterhalten, andere Fremdsprachen zu sprechen oder ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen.
Und wie gehen Sie das bereits erwähnte strukturelle Problem an? Wie ermutigen Sie die Magdeburgerinnen und Magdeburger, in den Austausch zu gehen?
Ein wichtiger Bestandteil dieser Begegnungsarbeit und Sensibilisierung ist das Fest der Kulturen, das im Zwei-Jahres-Rhythmus im Rahmen der Magdeburger Studierendentage stattfindet und für viele Studierende und Bürgerinnen und Bürger ein Highlight im Veranstaltungskalender ist. Organisiert wird dieses Fest seit 18 Jahren hauptsächlich von den IKUS-Studierenden mit Unterstützung des Akademischen Auslandsamtes der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und in enger Kooperation mit dem Studentenwerk, der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie der Festung Mark.

Dort feiern wir gemeinsam die kulturelle Vielfalt unserer Stadt. Dabei gestalten unsere internationalen Studierenden Länderpavillons ihrer Heimatländer und präsentieren vielfältige Kulturen aus aller Welt. Die Besucherinnen und Besucher erwarten traditionelle Gerichte und Klänge, Spiele, Workshops, Kunst und Raum für interkulturellen Austausch. Begleitet wird das Fest durch ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Live-Musik und Tanzbeiträgen.
Nun tun Sie ja schon viel, um die Situation der internationalen Studierenden zu verbessern. Wo wünschen Sie sich noch Unterstützung und was erhoffen Sie sich für die Zukunft?
Ein wichtiger Punkt ist sicherlich das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, auch für die deutschen Studierenden. Wir wünschen uns auch mehr Offenheit seitens der Bürgerinnen und Bürger, mehr Akzeptanz, Toleranz und Menschlichkeit. Insbesondere Austausch und Begegnung liefern dafür wichtige Anreize und die Organisation solcher Formate sollte stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken.
Was unsere Arbeit im Studentenwerk angeht, möchten wir die Studierenden künftig noch stärker auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereiten, sie also schon in ihren Heimatländern ansprechen und gemeinsam ihre Ankunft planen. Dafür könnte ich mir interkulturelle Trainings oder Schulungen vorstellen, in denen wir über deutsche Gepflogenheiten wie Behördengänge, Öffnungszeiten von Supermärkten oder Pünktlichkeit aufklären, um den bestmöglichen Start in Magdeburg zu ermöglichen.